Wertschätzende Kommunikation mit Kindern in Konfliktsituationen

Wertschätzende Kommunikation mit Kindern in Konfliktsituationen

Hallo Glückspert*innen, 

zwischenmenschliche Kommunikation begleitet uns durch unser ganzes Leben. Mit Hilfe der
Kommunikation bleiben wir in Kontakt und Austausch mit unseren Kindern. Natürlich
unterscheidet sich die Kommunikationsform mit Kindern, abhängig von ihrem Alter
und ihrer kognitiven Entwicklung von der mit Erwachsenen. Dennoch gibt es
Aspekte, die in der Kommunikation mit Groß und Klein gelten.

Ich bin sicher, dass es dir ein großes Anliegen ist mit deinem Kind wertschätzend und
freundlich umzugehen. Meist gelingt dir das sicherlich auch.

Wirklich herausfordernd kann es jedoch dann werden, wenn du dich mit deinem Kind in
einer Konfliktsituation befindest. Konflikte und Konfliktsituationen sind normal
und menschlich. Es gibt also absolut keinen Grund sich zu schämen, wenn du dich
wieder einmal in einer Konfliktsituation befindest und das Gefühl hast, dein
Kind leite die Apokalypse ein.

Und dann fragst du dich wieder: Warum hört mein Kind nicht einfach auf mich?!

In jeder Konfliktsituation strebt dein Kind im Grunde genommen nach Unabhängigkeit. Das ist normal und wichtig für die kindliche Entwicklung. Dein Kind macht niemals etwas mit einer
bösen Absicht. Ich weiß, es kann manchmal wirklich so wirken, aber Nein.

Stell dir vor, du bist in einer neuen Konfliktsituation mit deinem Kind und es
treibt dich in den Wahnsinn! Zusätzlich stehst du auch noch unter Zeitdruck,
was die Gesamtsituation massiv erschwert. Sei dir bewusst, dass Zeitdruck mögliche
Konfliktsituationen mit deinem Kind begünstigt. Versuche dir daher möglichst
große Zeitpuffer mit deinem Kind einzuräumen, um Zeitdruck weitest gehend zu
vermeiden!

In Konfliktsituationen atme ich dann meist drei Mal tief ein und aus, um ein wenig Druck abzulassen. Das kann helfen.

Manchmal werde ich leider auch laut. Oft höre ich Eltern ihre Kinder anschreien, diese sollen
nicht mit ihnen schreien! Wenn dich dein Kind anschreit, schrei bitte nicht
zurück. Hin und wieder spiegelt dein Kind einfach nur dein Verhalten. Du solltest
also im Kopf behalten, dass es deinem Kind weitaus leichter fällt Dinge
umzusetzen, die du selbst auch machst. Ein Beispiel: Wenn du möchtest, dass
dein Kind einen Fahrradhelm trägt, setzt du am besten auch einen auf.

Selbstverständlich ärgerst du dich und willst deinem Unmut Ausdruck verleihen. Aber bitte beachte, dass du dich über das Verhalten deines Kindes in Konfliktsituationen beschwerst,
aber nicht über dein Kind selbst! Oft höre ich: Es reicht mir mit dir! Du
bist so laut, anstrengend, undankbar, unzufrieden, …
oder Ähnliches. Solche
Aussagen können langfristig den Selbstwert und das Vertrauen deines Kindes in
sich selbst mindern. Wenn es das gesagte oft genug hört, glaubt es im schlimmsten
Fall daran. Trenne immer das Verhalten deines Kindes von der Person.

Eine leider sehr gängige Kommunikationsfalle in unserem Sprachgebrauch sind unpersönliche
Pronomen wie: alle, man, es, jeder. Diese Pronomen können eine klare und
konkrete Kommunikation zwischen dir und deinem Kind erschweren. Das kannst du mit
Ich‑Botschaften vermeiden. Bleib bei dir! Kinder verstehen Ich‑Botschaften leichter
und lernen gleichzeitig sich selbst besser auszudrücken. Ein Beispiel: Man legt
die Füße nicht auf den Tisch!
Besser ist: Ich möchte nicht, dass du
deine Füße auf den Tisch legst! Es ist mir wichtig, dass die Wohnung aufgeräumt
ist.

Eine weitere Kommunikationsfalle ist die Verwendung jeglicher Formen der
Verallgemeinerung. Dies beinhaltet unter anderem die Anwendung der Zeitadverbien
Immer und Nie sowie die Pronomen, alle, jeder, man. Beispiel: Nie ziehst du dir
selbst deine Schuhe an! Immer muss ich mit dir die Hausaufgaben machen! Alle
Kinder
können schon Radfahren ohne Stützen außer du!

Ein wichtiger Punkt in der (Konflikt-)Kommunikation ist die Vermittlung von Gefühlen und Bedürfnissen. Traust du dich als Elternteil offen über deine eigenen Gefühle und Bedürfnisse zu
sprechen? Kannst du im Kopf mehr als zehn deiner Gefühle und Bedürfnisse nennen?
Wenn du dich nun fragst, warum Gefühle und Bedürfnisse eine wichtige Rolle in
der Kommunikation spielen, nimm dir doch ein bisschen Zeit und lies meine
Buchempfehlung. (“Gewaltfreie Kommunikation” von Marshall B. Rosenberg)

Abschließend ist es mir wichtig anzumerken, dass es keine perfekte Kommunikation gibt,
unabhängig davon, welchen Ansatz oder welche Methode du anwendest. Der Anspruch
perfekt zu kommunizieren, macht nur unnötigen, zusätzlichen Druck. Versuche
einzelne Methoden mit deinem Kind in eurem Alltag auszuprobieren. Manchmal
brauchst du vielleicht mehrere Anläufe. Manches wird gut funktionieren. Anderes
gar nicht. Wichtig ist, etwas zu finden das für dich und dein Kind passt und ihr
euch damit wohl fühlt. Damit erleichtert sich nicht nur eure aktuelle
Konfliktfähigkeit, gleichzeitig hilfst du so deinem Kind, die eigene Konfliktfähigkeit
zu stärken und entwickeln.

Wenn dir der Beitrag gefallen hat und du mehr darüber wissen möchtest, welche
Kommunikationsfallen es gibt, welche Methoden du in Konfliktsituationen
anwenden kannst, oder wie du Konflikte konstruktiv lösen kannst, dann melde
dich einfach für den Workshop zum Thema Konfliktfähigkeit an!

Alles Liebe
Meli
😊

Ps: Meine Kinderbuchempfehlung zum Thema Konflikte lautet diesmal: “So war das! Nein so! Nein so!” Von Kathrin Schärer

Leave a Reply